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Aktuelles

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  • 09.12.20 - Finnur Dellsén
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Theoriebildung in der soziologischen Wissenschafts- und Organisationsforschung

Theorien mittlerer Reichweite im Sinne von Robert K. Merton sind eine Voraussetzung für kumulativen Wissensfortschritt in der empirisch orientierten soziologischen Forschung. Auch im Bereich der Wissenschafts- und Organisationsforschung spielen Theorien mittlerer Reichweite eine wichtige Rolle. Theoretische Konzepte aus der Literatur auf neue empirische Gegenstände anzuwenden und auf diese Weise zu generalisieren, ist in den Gesellschaftswissenschaften kein trivialer Vorgang, sondern erfordert eine Präzisierung, Überprüfung, und Weiterentwicklung vorgefundener Ideen. In diesem Sinn betreibt die Arbeitsgruppe von Prof. Thomas Heinze soziologische Theorie. Die Theoriebildung erfolgt themen- bzw. projektbezogen und ist in diesem Sinne auf den jeweiligen soziologischen Forschungs­gegenstand bezogen. Aufgrund der Viel­falt der bearbeiteten Themen ist die Theoriebildung ein Langzeitprojekt. Im Folgenden werden ausgewählte Beiträge der Arbeitsgruppe von Prof. Heinze vorgestellt.

Spitzenforschung und wissenschaftliche Kreativität im Ländervergleich

Kreative Forschungsleistungen sind nicht nur relativ selten, sondern auch ungleich über Forschungs­einrichtungen und Länder verteilt. Auf diese Ungleichverteilung hatte bereits Ben-David am Beispiel der Medizin hingewiesen. In seinem Vergleich der für Forschungsdurchbrüche in der Medizin maßgeblichen Länder stellte er erstens fest, dass es zu Häufungen wissenschaftlicher Neuerungen in bestimmten Perioden und Ländern kommt, und zweitens, dass sich das globale Zentrum der Medizin und anderen Disziplinen seit Ende des 19. Jhd. von Deutschland in die Vereinigten Staaten verschoben hat. Auch Hollings­worth bestätigt für die biomedizinische Forschung die Verschiebung des globalen Zentrums in die Vereinigten Staaten. Ben-David identifizierte als Ursachen dieser Verschiebung zum einen die im Vergleich zu Deutschland innovationsoffene Organisations­struktur amerikanischer Universitäten und zum anderen den höheren Grad dezentralen Wett­bewerbs innerhalb des amerikanischen Universitäts­systems. Dem­gegenüber weist Hollingsworth auf die besonders hohe Leistungs­fähigkeit kleiner außer­universitärer, typischerweise privater Forschungs­institute hin. Ben-David und Hollingsworth treffen sich in der Feststellung, dass die Vereinigten Staaten einen institutionellen Kontext für Forschung und Entwicklung bieten, in dem sich kreative Forschung besonders gut entfalten kann.